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Auflösen von Besetzungen

Wiedervereinigung mit der eigenen Seele

Kerzenhalter aus Keramik

Die Seelenrückholung ist eine der ältesten schamanischen Praktiken und findet sich in spirituellen Traditionen auf der ganzen Welt wieder. Sie beruht auf der Vorstellung, dass die menschliche Seele aus mehreren Aspekten besteht, die gemeinsam unser inneres Gleichgewicht und unsere Lebensenergie formen. Durch belastende Erfahrungen, emotionale Krisen oder traumatische Ereignisse kann es geschehen, dass Teile dieser Seelenenergie sich abspalten. Dieser Vorgang wird im Schamanismus als Seelenverlust bezeichnet und gilt als natürlicher Schutzmechanismus der Psyche, um das Erlebte zu überstehen. Die Seelenrückholung setzt genau hier an: Sie unterstützt dabei, verloren geglaubte Seelenanteile wieder zu integrieren und den Kontakt zur eigenen inneren Kraft neu zu beleben.​​​​

Was bedeutet Seelenverlust?

Schamanische Traditionen erklären Seelenverlust als Schutzmechanismus. Wenn ein Mensch eine traumatische Erfahrung macht – etwa einen Unfall, Gewalt, Verlust eines geliebten Menschen, Missbrauch, Trennung oder einen Schock – kann ein Teil seiner Seele sich abspalten, um das Erlebte auszuhalten. Dieser Seelenanteil „entzieht sich“ sozusagen der traumatischen Situation und bleibt in einer Zwischenwelt oder energetischen Erinnerung gefangen.

Wie verläuft die Seelenrückholung?

Die Seelenrückholung ist eine schamanisch-spirituelle Arbeit, bei der eine Reise in die nichtalltägliche Wirklichkeit unternommen wird, um jene Seelenanteile aufzuspüren, die sich zurückgezogen haben. Begleitet von Rhythmusarbeit – häufig durch Trommel oder Rassel – wird ein veränderter Bewusstseinszustand erreicht, der es ermöglicht, Zugang zu tiefen Ebenen des Unterbewusstseins oder energetischen Erinnerungsfeldern zu erhalten. Mit Respekt, Achtsamkeit und innerer Führung werden fehlende Seelenanteile eingeladen, zurückzukehren. Anschließend werden sie in das Herz- oder Energiefeld der begleiteten Person integriert, sodass mehr innere Verbundenheit und Stabilität entstehen kann.
 

Ziel dieses Prozesses ist die Stärkung des eigenen energetischen und seelischen Gleichgewichts. Viele Menschen empfinden danach mehr Klarheit über sich selbst und ihre Bedürfnisse, fühlen neue Lebenskraft oder erleben eine tiefere Verbindung zu ihrem inneren Wesenskern.

Seelenrückholung in traditionellen Kulturen

Die Idee der Seelenrückholung ist uralt und weltweit verbreitet. In der samischen Tradition Nordeuropas beispielsweise nimmt die Seele eine zentrale Rolle ein. Wenn ein Mensch nach schwerem seelischen Erlebnis seine Lebenskraft verliert, wird von Seelenverlust gesprochen. Ein Noaidi – ein samischer spiritueller Praktizierender – reiste mithilfe seiner Rahmentrommel (Goavddis) in die unsichtbaren Ebenen der Wirklichkeit, um verlorene Seelenanteile zurückzubringen und dem Menschen seine innere Kraft wieder zugänglich zu machen (Quelle: Juha Pentikäinen: „Shamanism and Culture“, 1998).

Auch in Südamerika ist die Seelenrückholung ein wesentlicher Bestandteil traditioneller spiritueller Arbeit. Bei den Q’ero aus den peruanischen Anden, Nachfahren der Inka, glaubt man, dass Seelenanteile in der unteren Welt (Ukhu Pacha) zurückbleiben können, wenn ein Mensch ein Trauma erlebt. Ein Paqu – ein andinischer Ritualbegleiter – reist dann mithilfe von Gebeten, Ritualen und der Unterstützung der Berggeister (Apus), um den verlorenen Teil der Seele zu sich zurückzuführen (Quelle: Joan Parisi Wilcox: „Masters of the Living Energy“, 1999).

 

Diese weltweit verbreiteten Traditionen weisen darauf hin, dass Seelenverlust kein neues Konzept moderner Spiritualität ist, sondern ein tief verwurzeltes Menschheitswissen, das seit Jahrhunderten weitergegeben wird.

Rückkehr zu sich selbst

Eine Seelenrückholung ist eine Einladung, wieder in Kontakt mit den eigenen inneren Anteilen zu treten, die vielleicht lange im Schatten standen. Sie kann Prozesse der Selbstreflexion anstoßen, emotionale Klarheit fördern und dabei helfen, sich innerlich vollständiger zu fühlen. Es geht nicht darum, etwas äußerlich zu verändern, sondern darum, das eigene Sein wieder bewusst wahrzunehmen und den Weg zu mehr innerer Verbundenheit und Authentizität zu öffnen.

Wenn ein Mensch seine verlorenen Seelenanteile zurückholt, kehrt er symbolisch zu sich selbst zurück – Schritt für Schritt, in seinem eigenen Tempo, getragen von Bewusstsein und innerer Bereitschaft.

fliegende Laternen
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